Die Vereinsgeschichte

 

 

 

 

 

 

.....und es begann am Hexenteich

Die Gründung des "Vereins für Rasensport 1922 e. V." fiel in eine Zeit, die durch zwei Probleme geprägt wurde : einerseits die Folgen des Ersten Weltkrieges , andererseits die massiven Veränderungen  in einer eher ländlichen Gemeinde durch den Bergbau. Im Jahre 1913 war die Kohleproduktion aufgenommen worden, bis 1922 stieg die Belegschaft der Zeche Sachsen auf über 3000 Beschäftigte bei rund 6500 Einwohnern des Amtes Heessen.

 

 

 

         Der am 1.04.1913 geförderte Kohlekübel aus der Zeche Sachsen

In den Jahren 1914 - 1916 waren die Siedlungen am "Hardinghauser Knapp" und am "Hämmschen" entstanden, 1921 begann die Bebauung am "Vogelsang". Im Zuge einer kommunalen Neuorganisation fasste die Regierung die ursprünglich zu Heessen gehörenden Ortschaften Dolberg, Neuahlen und Altahlen zusammen und schuf so das neue "Amt Ahlen". Als Ausgleich wurden die auf  Hammer Stadtgebiet liegenden Siedlungen am Vogelsang Heessen zugeordnet. In dieser Situation kam der Gedanke auf in Heessen ein eigenen Sportverein zu gründen. Bis zu dieser Zeit betrieben die Heessener - wenn überhaupt - Sport bei den schon existierenden Vereinen HSV (gegründet 1903) und BV (gegründet 1909)im Hammer Norden. Der neue Verein wurde in der nähe des alten, gewachsenen  Ortskern angesiedelt. 

   

 

Das Gelände am Hexenteich; im Hintergrund die Stephanus-Kirche

Den Sportplatz am "Hexenteich" (heute die Einmündung der Fährstraße in die Dolberger Straße) stellten die Vereinsmitglieder in Eigenhilfe für den Spielbetrieb fertig; bald spielten dort 2 Senioren- und 2 Jugendmannschaften.Auf Grund vereinsinterner Probleme und Schwierigkeiten mit dem WSV, dem Westdeutschen Spielverband, wurde der Spielbetrieb im Jahre 1926 fast völlig eingestellt, bis Ewald Köster und Karl Handschack, die 1927 als 1. Vorsitzender bzw. Geschäftsführer gewählt wurden, den Verein zu neuem Leben erweckten.

 

Eine der ältesten Aufnahmen aus der Vereinsgeschichte zeigt die damalige Mannschaft des VFR auf dem Platz am Hexenteich; der Knirps in der ersten Reihe Links ist der spätere langjährige Torwart Kurt Münster, dahinter erkennt man E. Köster

Mit Unterstützung der Gemeinde Heessen und des Vereinswirtes Bernhard Töns  zog der Verein um auf des Gelände am Dasbecker Weg und baute es zum "VFR- Platz" aus. Da der Fußballsport in der damaligen Zeit einen erheblich höheren Stellenwert besaß, eigentlich die einzige Freizeitmöglichkeit war, entwickelte sich der VFR sehr schnell. Selbst an Trainigstagen der 1. Mannschaft so erzählen noch heute Altmitglieder waren hunderte Zuschauer keine Seltenheit. Die offizielle Platzeinweihung 1928 erfolgte mit einem Spiel zwischen der Hammer SpVg und dem VFB Bielefeld. Gespannt erwarteten mehr als 3000 Zuschauer ( bei einer Einwohnerzahl von 8500 ! ) den Anpfiff des Großereignisses- aber es war kein  Ball vorhanden. Der erste Höhepunkt dieser Veranstaltung lag schon vor dem eigentlichen Beginn: Geschäftsführer Handschack warf den Spielball aus einem Flugzeug auf das Spielfeld. Als Folge dieser Sportbegeisterung wuchs der VFR sehr schnell, so das Anfang der 30er Jahre schon 10 Mannschaften in den Abteilungen tätig waren. Insbesondere die Handballdamen galten innerhalb kurzer Zeit als eines der besten Teams nicht nur im Hammer Raum.

Die Handball - Damen des VFR nach einen Spiel gegen die Hammer SpVg.

 

Die Fußballer des VFR stiegen mehrere male hintereinander auf: der größte Erfolg lag im Jahre 1938, als in Hiltrup die Kreismeisterschaft gewonnen wurde. Diese bedeutete das Erreichen der Bezirksliga, der damals zweithöchsten Fußballklasse überhaupt .

Zu dieser Zeit wurde noch nicht an Profi-Fußball gedacht; in der sog. Gauklasse, in der Schalke die dominierende Rolle spielte, stieg zwei Jahre später mit dem VFL Altenbögge ein Nachbarverein auf.

 

Die Meistermannschaft von 1938:

oben v. l. n. r. Brummack,Angstmann,Böckenkötter,Nillies I ,Lueg und Otto; unten v. l. n. r. Richter,Bistri,Bornhorst,Sowa und Nillies II .

Der einsetzende Zweite Weltkrieg bedeutete einen massiven Eingriff in das Leben nicht nur der Heessener Bürger. Obwohl durch die Einberufung nicht alle Spieler zur Verfügung standen, konnte der Verein den Spielbetrieb weiterführen. Grundlage dafür war das die Zeche Sachsen in Besitz der "Reichwerke Hermann Göring" überging. Durch Zuzug sogenannter "Gastspieler" wurde die Fußballmannschaft aufgefüllt. Zu den bekanntesten Namen zählen Sportler wie Gottschalk (Essen) Macherey (Oberhausen) und der Nationalspieler August Lenz (Borussia Dortmund), der später in der Nachkriegszeit für einen - von Obmann Kuhlbusch gespendeten- Korb voll Birnen eine Zeit lang die A-Jugend des Vereins trainierte.

 

Die damalige Mannschaft spielte mehrere Male um das Erreichen der Gauliga, scheiterte aber jeweils knapp. Erst im Jahre 1944, als eine schwere Schlagwetterexplosion auf der Zeche 169 Tote, davon 113 russische Kriegsgefangene und Fremdarbeiter, forderte, stellte man die sportlichen Aktivitäten ein.

 

Vereinsgeschichte TuS 45/53 Heessen e.V.

Die Entwicklung des 1945 entstandenen Vereins ist nicht mehr lückenlos nachvollziehbar und kann nur in Ansätzen mit Hilfe der wenigen noch lebenden Zeitzeugen rekonstruiert werden. Fest steht, dass der ATS als direkter Vorläufer zu sehen ist.

Josef "Pepi" Donner erinnerte sich:

In den 20er Jahren entwickelten sich die Zechensiedlungen sehr schnell. Um Sportmöglichkeiten zu schaffen, wurde das Gelände an der Busch-Schule von Bergarbeiter hergerichtet, die dann auch den ATS ins Leben riefen. Die Bergarbeiter waren fast alle in der Gewerkschaft und der SPD. Dann kamen 1933 die Nazis von Bayern hoch, und weil fast alle in der SPD waren ,wurde der Verein verboten. Alle wollten natürlich weiter Fußball spielen und sind dann zum VFR gegangen.

 

Die Jugend des ATS: v. l. Nientiet,  ?, Willfart, Quoz, Quellenberg, Hallmann, Kloschinski I ,

Donner, Birnstiel, Kloschinski II, Brosig, Ottradewicz,  ?, Bistri u. ?

 

Die Mannschaft des ATS 1931: J. Donner als 4 v . l.

Bei einer Besprechung nach dem Krieg wurde beschlossen, den Spielbetrieb wieder aufzunehmen, dadurch kehrte ein Teil der ehemaligen ATS- Sportler auf ihr ursprüngliches Gelände zurück. Der Antrag auf Vereinsgründung musste über die englische Militärregierung in Beckum gestellt werden und durch eine Bürgschaft der Gründungsmitglieder (Koegel, Franzek, Kock, Nientit, Scheele, und Schmied ) abgesichert werden.Nach diesen Vorarbeiten wählte die Mitgliederversammlung im September des Jahres 1945 Fritz Koegel zum 1. Vorsitzenden des TuS 45 Heessen e. V.

Am Gründungstag fand das erste Spiel gegen Arminia Bockum-Hövel statt.Wie sein Vorgänger bot auch der TuS den Mitgliedern ein breites Spektrum von Sportarten an.

 

Die ersten Fußballer des TuS: v. l. Groß, ? , Schmidt, Herbst, Hüsken, Koegel,

 Zink, Hoffmann, Dorny, Elger, Sowa und Obmann Schmidt

In den folgenden Jahren wurde die Jugendarbeit forciert, so dass der Verein  schon bald mehrere Mannschaften betreute.Im Jahre 1945 gehörte der TuS der Bezirksklasse Sauerland und Hellweg an, allerdings waren auch einige Abstiege zu verkraften.

Als Konsequenz der guten Jugendförderung bildete sich eine junge Mannschaft, die im Jahre 1959 den Aufstieg in die Bezirksklasse Hellweg erzielte. Zu dieser gehörte auch Werner Kik das erste Heessener Eigengewächs, dass später mit RW Essen sogar den Sprung in die Bundesliga schaffte.

 

Eine der erfolgreichsten Mannschaften des TuS 45/53 - Kreismeister 1959 und Aufsteiger in die Bezirksklasse: v. l. n. r. Obmann Gudrian, Günther,Rogalla, Müller, Krehl, Wichert, Horsthemke, Kik, Prachtel, Grünendahl, Kron, Brämer und Betreuer Valentin

Die Erste Fußballmannschaft musste im Jahre 1970, nachdem sie 11 Jahre ununterbrochen in der Bezirksklasse gespielt hatte, absteigen; nun war endgültig die Zeit gekommen für eine Fusion mit dem VFR, zumal sich die Rivalitäten der beiden Heessener Vereine durchaus in recht engen Grenzen hielt.Vereinswechsel kamen nur selten vor: man war eben ein "TuSl-er" oder ein "VFR-ler" und das nicht nur für kurze Zeit.

Die 25 Jahre der Vereingeschichte des TuS 45/53 sollen die folgenden Bilder zusammenfassen- eine der frühen Jugendmannschaften und die letzte Seniorenelf,die im Jahr 1970 das Abschlußspiel des TuS bestritt:

 

A- Jugend: Obmann Seegert, Hansper, Herbst, Berghoff,

Müller, Stolle, Kümmeritz, Segert, Kersting, Gudrian,Schüler, und Renfert

 

Die Mannschaft von 1970, letztes Spiel in der Bezirksliga vor dem Zusammenschluss von VFR und TuS  stehend von rechts  Rudiger Gawliczek  , Horst Riethmeier, Alfred Grothe, ? Klaus Slawinski, Rainer Mika, Horst Lentes, Fritz Scheele kniend von links Werner Richter, Berthold Hölscher, Wieschollek, ?, und Horst Todt

Der VFR nach 1945 

Die ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg bedeuteten für den Verein einen Neuanfang. Von den Männern der ersten Stunde standen nur noch Heinrich Kemper, Karl Albersmann, Hermann Mensing und Hans Haverkamp zur Verfügung; hinzu kamen die Vereinsverantwortlichen Ewald Köster und Karl Handschack. Vor der Wiederaufnahme des Spielbetriebs musste die Instandsetzung der Sportanlage erfolgen: der Platz wurde mit einer Barriere eingefaßt , eine Umkleidekabine errichtet und später noch eine Flutlichtanlage installiert.

Zum 25- jährigen Vereinsjubiläum im August 1947 gastierte mit Borussia Dortmund der Westfalenmeister in Heessen, die durch vier Akteure der SpVg Beckum verstärkte Mannschaft des Gastgebers unterlag vor großer Zuschauerkulisse mit 3 : 4. Ähnlich wie der TuS legten die Verantwortlichen den Schwerpunkt auf die neu zu organisierende Jugendarbeit.

 

Die A- Jugend von 1948 nach dem Endspiel um die Westfalenmeisterschaft: h. R. v. l. Knaakk, Daniel, Paul, Hillebrand, Albring, Deipenbrock, Jansen, Kemper, Jugendobmann Rehbein; v. R. Petermann, Jägermann und Bankamp

Bei der Klasseneinteilung 1949 wurde die erste Mannschaft des VFR der Kreisliga Hamm/Beckum zugeordnet und spielte dort eine dominierende Rolle die mit dem Aufstieg in die Bezirksliga belohnt wurde.

 

 

Ein Generationswechsel- die Mannschaft Anfang der 50er Jahre h. v. l. Raulf, Kemper, Jansen, Zink, Borz,  Lüke, Rux, Franz und Müller v. R. Albring, Horenkamp und Hillebrand

 

h. v. l. Kemper, Jansen, Albring, Zink und Grit;

vorn  Lenniger Vehlow, Horsthemke, Bökenkötter und Otto

Mitte der 50er Jahre spielte eine Verbandsentscheidung für den Verein eine wichtige Rolle: in der Saison 57/58 wurde die erste Mannschaft der Landesliga zugeordnet, nachdem in den Jahren zuvor durch Spielmanipulation anderer Vereine der Aufstieg nicht gelungen war. Mit Hans Klodt, Torhüter und 18- facher Nationalspieler vom FC Schalke 04, und einer jungen Mannschaft von Eigengewächsen belegte der VFR über Jahre hinweg Spitzenplätze in der Landesliga; die zweite Mannschaft erreichte 60/61 sogar den Aufstieg in die Bezirksklasse.

 

Aufsteiger 1961: h. v. l. Betr. Horenkamp, Hegemann, Winkelhake, Beuning, Kü´dde, Bökenkötter, Wolf, Betr. Hiller Nolte, Röwenkamp, Heinlein und Spreemann

Sportlicher Höhepunkt im Jahr 1960 war das DFB- Pokalspiel gegen den Oberligisten SV Sodingen, das vor 3000 Zuschauer mit 3 : 0 verloren ging.Die Presse schrieb damals von einer "hevorragenden Leistung" des Landesligisten.Die Aufstellung des VFR Horsthemke I , Hillebrand, Buschendorf, Winkelhake, Spreemann I , Lenninger, Horsthemke II, Küdde, Albring, Huhn, und Wolf.

Im Oktober 1962 kam es - allerdings aus tragischem Anlass - zu einem Wohltätigkeitsspiel gegen den FC Schalke 04. Der Traditionsverein hatte sich kostenlos zur Verfügung gestellt, um die Hinterbliebenen der bei einem Grubenunglück auf der Zeche Sachsen getöteten Bergleute zu unterstützen.

Das unten stehende Foto zeigt zwei Fußballidole: Bernie Klodt, vielfacher Nationalspieler vom mehrfachen Deutschen Meister, und Hanno Albring, lange Jahre VFR- Kapitän.

 

Für die weitere Entwicklung des Vereins bedeutete der Umzug in das neue Marien- Stadion 1962 einen großen Schritt vorwärts. Im Rahmen des 40- jährigen Vereinsbestehen kam Arminia Bielefeld zu einem Spiel, das der VFR mit 2 : 1 für sich entscheiden konnte.

In der Saison 64/65 war es trotz intensiver Jugendarbeit nicht zu verhindern das beide Seniorenmannschaften Abstiegen. Es sollte mehrere Jahre dauern, bis wieder eine landesligataugliche Mannschaft herangewachsen war. Nach langer Aufbauarbeit durch Trainer Weitkamp, Ahlenmeier und Albring bei den Senioren und vielen Jugendbeteuern konnte in der Saison 68/69 wieder eine Spitzenmannschaft gestellt werden. Am 18.05.69 kam es zu entscheidenden Aufstiegsspiel  zwischen dem VFR und dem VFL Altenbögge. Die Heessener waren zuvor 24 Meisterschaftsspiele ungeschlagen geblieben und benötigten nur noch ein Unentschieden. Vor mehr als 2000 Zuschauern entwickelte sich am Rehbusch ein packendes Finale, das von Horst Messner verdient zu  Gunsten des VFR entscheiden konnte.

 

Die erste Mannschaft 1962: v. l . Vorsitzender Spreemann, Albring, Siegner,Spreemann, Winkelhake, Hillebrand, Lenniger, Nolte, Handke, Bökenkötter, Buschendorf, Küdde und Obmann Kuhlbusch

Dieser Erfolg war der Auslöser für tagelange Feierlichkeiten, als deren Höhepunkt der Bürgersteig vor dem Vereinslokal " Zum Stefan " in den Vereinsfarben gestrichen wurde. Da auch die zweite Mannschaft in ihrer Klasse Erster und die A- Jugend den Kreispokal gewann, gilt diese Saison als eine der erfolgreichsten des Vereins.

 

Nach der Entscheidung: h. v. l.  H. Messner, Sperlich, Buschendorf, Betreuer Niermann, Popil, Hillebrand, A. Messner, Zerle, Trainer Albring, Beiske; Otto, Lupp, Kaufmann, Schlieper,Nowak, Lange und Groß

 

Die ersten Jahre nach der Fusion

Schon seit längerem hatten Gespräche zwischen den beiden Heessener Vereinen über ein mögliches Zusammengehen stattgefunden, waren aber ohne Ergebnis geblieben. Auslöser für die Wiederaufnahme der Bemühungen wurde das sich abzeichnende Engagement der damaliger SpaDaKa Heessen, durch eine Konzentration sportlicher und finanzieller Kräfte leistungsfördernd zu wirken. Daher kam es im Februar 1970 in den Hauptversammlungen der beiden Vereine zu Abstimmungen, als deren Ergebnis sich die Mitglieder des TuS deutlich, die des VFR recht knapp für diese Veränderung aussprachen. Vollendet wurde die Fusion am 11.03.1970 im Klubhaus St.Martin an der Westfalenkaserne. Zum 1. Vorsitzenden des " SC Eintracht Hamm 22/45 e. V. " wählte die Versammlung mit großer Mehrheit den SpaDaKa- Chef Paul Schulte.

Dem neu gegründeten Verein schlossen sich an:

Tennisclub Blau- Gold im Jahre 1971. Die Handballabteilung des TuS 01 Heessen. Eine Volleyballabteilung ergänzte das Sportangebot des SC Eintracht Hamm. Im Jahr des 50- jährigen Bestehens 1972 hatte der Verein bereits ca. 1200 Mitglieder in diesen vier Abteilungen.

Während der nächsten Jahre spielten die Fußballer mit unterschiedlichem Erfolg in der Landesliga. Trotz zahlreicher Verstärkungen im Spielerkader und namhafter Trainer wie Arthur Gruber und Horst Hilpert misslang der angestrebte Aufstieg. Nach den verpassten Aufstieg, kam es zum Aderlass in der gut besetzten Mannschaft, von der im nächsten Jahr viele Spieler höherklassig tätig waren: J. Kaczor und G. Horsthemke erhielten Profiverträge in Bochum. E. Angele und P. Hillebrand wechselten nach Ostwestfalen in die zweite Liga, weitere Spieler gingen in die Verbandsliga.

Durch die Einführung der Oberliga im Jahre 1978 wurden die Sportler des SC Eintracht Hamm fünftklassig und gerieten sogar in akute Abstiegsgefahr. In dieser Situation entwickelte die Vereinsführung neue Aktivitäten, zusammen mit der aufstrebenden " Hammer Bank " , hervorgegeangen aus der SpaDaKa Heessen..

Der Weg nach oben

Die folgenden Jahre zeigten geradezu beispielhaft, mit welcher Problematik die Abhängigkeit eines Sportvereins von Sponsoren verbunden ist. So fielen die größten sportlichen Erfolge, als auch eine Fülle von Problemen in diese Zeit.

Während dieser Zeit machte der weitere Ausbau der bestehenden Abteilungen und die große Zahl von Neuaufnahmen den SC Eintracht zum mitgliederstärksten Hammer Verein. Die Bemühungen um Spitzensport beschränkte sich aber nicht nur auf den Fußball, auch in der Leichtathletik fasste das Erfolgskonzept. Fast 40 Deutsche- Meistertitel holten die (früheren) Leichtathletik- Damen des SC Eintracht; auf Laufstrecken von 100m bis 800m, den Staffel und im Weitsprung galt Hamm neben Sindelfingen als zweites Zentrum des Spitzensports. Stellvertretend für diese Erfolge seien Gabi Bußmann (WM-Vierte 1987 in Helsinki, Olympia-Dritte 1984 mit der Staffel, vielfache Deutsche Meisterin ) und Helga Arendt (Weltmeisterin 1989 über 400m in der Halle) angeführt.

Die weitere Entwicklung im Fußballbereich ging ebenfalls steil nach aufwärts. Die massiv verstärkte Mannschaft gewann am vorletzten Spieltag der Saison 79/80 in Soest durch zwei Tore von Peter Kaczor mit 2 : 1und stieg damit erstmalig in die Verbandsliga auf. Zum Kader des SC Eintracht gehörten in diesem erfolgreichen Jahr : Schuster, Röser, Schlieper, V. Messner, Popil, Elmerhaus, Kaufmann, Hanning, Mehle, Sperlich, Hölscher, Albring, Kampschulte, P. Kaczor, Tzschachmann und Bauer. Die Tendenz, die Mannschaft durch Spieler der Hammer SpVg zu ergänzen, wurde später mit Torwart Welp und M. Bremser fortgesetzt.Den Spielball für das letzte Heimspiel gegen den VFL Kamen brachte ein Sponsor per Fluggerät- der Tradition entsprechend- vor dem Anpfiff in des Stadion.

 

 

Mit weiteren Verstärkungen gelang im folgenden Spieljahr ein Durchmarsch in die Verbandsliga, so das der SC Eintracht in nur zwei Jahren das Amateuroberhaus erreicht hatte. Der letzte Heimsieg wurde vor mehr als 2500 Zuschauern mit 3 : 0 gegen ASC Schöppingen gefeiert.

 

Spielerkader der Saison 80/81: h. R. V. l. Trainer Koch, Messner,Schlieper, Mehle, Räse, Albring, Hannig, Kampschulte,Bremser, P. Kaczor, Elmerhaus, Welp, v. R. Tzschachmann, Popil, Fehn, Inckmann, Bauer,Vatheuer und Hrubesch

Höhepunkte der ersten Oberligasaison waren die Ortsderbys mit der Hammer SpVg, von denen insbesondere das Heimspiel im August 1981 ( vor 6500 Zuschauern gewann der SCE mit 4 : 3 nach 1 : 3 Rückstand ) den Machtwechsel in Hammer Fußball andeutete. In der Endabrechnung war der  6. Platz für einen Neuling ein großer Erfolg.

Unter Trainer Klaus- Peter Koch, der schon seit 1978 für den Verein tätig war, wurde die Mannschaft in der Offensive erheblich verstärkt und galt als einer der Favoriten der Saison 82/83. In diesem Jahr ziehlten die Bemühungen der Verantwortlichen dahin, neben Topstürmern des Amateurbereichs ( zu dem Ex- Profi Harry Lopatenko ) ehemalige Heessener  von anderen Vereinen zurückzuholen. So kehrte von Arminia Bielefeld Eduard Angele zurück, von Wattenscheid Helmut Reiners. Fortgesetzt wurde diese Tendenz später mit Jupp Kaczor. Nach spannendem Saisonverlauf behielten der SC Eintracht im Zweikampf mit RW Lüdenscheid die Nase vorn und gewann den ersten Westfalenmeistertitel für den SC Eintracht Hamm.

 

Westfalenmeister 1983: h. v. l. Betreuer Grünendahl, Ellbracht, Elmerhaus, P. Kaczor, Schlieper, Albring, Bennett, Lopatenko, Berger, Sinningen, Reiners, Trainer Koch, Abteilungsleiter W. Groß; Masseur Woiwod, Mehle, Hrubesch, Welp, Bremser, Paus, Vatheuer, Bauer, Kampschulte und K. Groß

Die sich anschließende Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga mit Spielen gegen RW Oberhausen, SSC Charlottenburg und den FC St. Pauli erbrachten den 3. Platz bei 5 : 7 Punkten- letztlich fehlte ein Zähler zum Aufstieg in den bezahlten Fußball.

Auch die nächste Saison 83/84 war personell vom allerfeinsten. Neben Rückkehrer Kaczor kamen Harald Schötteldreier und Willi Brock von Borussia Dortmund zum alten Kader. Nach Unstimmigkeiten ging dieses Duell in der Endabrechnung knapp verloren. Als Vizemeister spielte sich der SC Eintracht mit Siegen über Viktoria Köln und die Amateure von Werder Bremen bis in das Endspiel um die Deutsche Amateurmeisterschaft, das in Offenburg vor 8000 Zuschauern mit 1 : 4 verloren ging.

 

 

Deutscher Vizemeister der Amateure 1984: v. l. P. Kaczor, Schötteldreier, Reiners, Watermann,Paus, Lopatenko, J. Kaczor, Hrubesch, Mehlr, Brock, und Ellbracht  

Im folgenden Jahr Spieljahr präsentierte der SCE mit Bobby Wischnewski vom RW Lüdenscheid einen weiteren Klassespieler; mit Friedhelm Wenzlaff einen Trainer, der mit dem MSV Duisburg schon Erstligaerfahrung gesammelt hatte.Wichtigste Ereignis war jedoch der sich abzeichnende Zusammenbruch der Hammer Bank: im November 1984 wurde Bankchef Paul Schulte in Untersuchungshaft genommen. Trotz der Unsicherheit über die weitere Zukunft des Vereins war die Mannschaft stark genug, ein zweites mal den Titel des Westfalenmeisters nach Hamm zu hohlen und sich für die Aufstiegsrunde zu qualifizieren.

Diese Aufstiegsrunde war für den Verein eine letzte Möglichkeit ohne Hammer Bank Spitzenfußball zu präsentieren. Die Spiele der Aufstiegsrunde bewiesen erneut, dass das Einzugsgebiet für eine überdurchschnittliche Mannschaft durchaus gegeben war- mit den Aufstiegsbegegnungen sahen in der Spielzeit 84/85 über 60.000 Zuschauer die Heimspiele des SC Eintracht. In dieser Runde um den Aufstieg in die Zweite Liga hatte die Mannschaft eine große Chance auf einen der beiden ersten Plätze, in der Auseinandersetzung mit RW Essen, dem VFL Osnabrück, TB Berlin und dem SV Hummelsbüttel. Als entscheidende Situation war ein von Harry Ellbracht verschossener Elfmeter beim Stand von 1 : 1.

 

Westfalenmeister 1985 h. R. v. l. K.Groß, Mehle, Externbrink, Albring, Wenzlaff, Lopatenko, J.Kaczor, P. Kaczor, W. Groß, Grünendahl, m. R: Elmerhaus, Bennett, Welp, Brock, Koop, Woiwod,; v. R. Schötteldreier, Wischnewski, Paus und Ellbracht

Im Rückblick legt Harry Ellbracht Wert darauf, dass von einem absichtlich verschießen keine Rede sein kann, obwohl er das dem DFB vorgelegte Konzept für die Zweite Bundesliga nachträglich für sehr fragwürdig hält. Die vorgelegten Bilanzen und Perspektiven des Vereins- eng an die Möglichkeiten der Bank geknüpft- waren zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr realistisch.

Es kann nicht Aufgabe dieser Seite sein, die Hintergründe des Zusammenbruchs der Hammer Bank aufzuarbeiten oder eine Bewertung vorzunehmen. Als Fazit bleibt jedoch: Die Abhängigkeit des Vereins führte zu einer existentiellen Gefährdung, die später in Gedanken zur Vereinsauflösung gipfelte. Noch wichtiger war jedoch der Vertrauensverlust in der Region, der es bis weit in die 90er Jahre fast unmöglich machte, in irgendeiner Form Unterstützung für den Verein zu finden.

Die mageren Jahre

Die nahezu aussichtlose Situation des Vereins zeigte sich insbesondere am Zustand des Seniorenbereichs: für Ehrenamtliche Arbeit war kaum ein Mitglied zu finden. Positiv zu sehen sind für diese Zeit nur die Fortführung der Jugendarbeit, aus der immer wieder Spieler für den Seniorenbereich erwuchsen, und das Durchhaltevermögen des- durchaus nicht unumstrittenen- Vorsitzenden Erich Haller, ohne dessen Engagement sicherlich die Vereinsauflösung vorgenommen worden wäre.

Es war die Zeit der besonders schnellen Mitgliederversammlungen im Vereinsheim "Zum Stefan". Nach der kurzen Eröffnung durch den Vorsitzenden mit der guten Nachricht: "Es gibt keine Probleme !" und der weniger erfreulichen "An den alten hat sich nichts geändert! " wurde der Einzelkämpfer Erich Haller regelmäßig und einstimmig in sein Amt bestätigt. Krönender Abschluss war dann die erste Amtshandlung: "Wie ihr wißt,hat der Verein kein Geld. Ihr lebt aber alle in Reichtum- also Jungs, fahrt in die Taschen und holt die Knete heraus ! Ich muss jetzt Sammeln. "Sprach´s und holte mit einem vom Vereinwirt geliehenen Hut die Spende einzeln ab, um damit die obligatorische Runde zu bezahlen.

Eine echte Lösung der den Verein belastenden Probleme schien zu diesen Zeitpunkt nicht realistisch. Die Verhandlungen mit der BAG waren eingefroren; zudem schränkte der Verlust der Gemeinnützigkeit alle Möglichkeiten fast vollständig ein. Unterstützung fand der Verein- wenn überhaupt- nur für den Bereich der Jugendarbeit; die nötige Finanzierung im Seniorenbereich war von der jeweiligen Finanzlage des Vorsitzenden abhängig. So verwunderte es nicht, dass die Versuche zum Wiederaufstieg der ersten Mannschaft ohne Erfolg blieben und die noch gebliebene zweite Mannschaft in der Kreisliga B eine nur durchschnittliche Rolle spielte. Da die Gesamtsituation des Vereins in allen Bereichen und für alle Beteiligten keinerlei Zukunftsperspektive zeigte, liegt in dieser Zeit wohl der Tiefpunkt in der Geschichte des SC Eintracht Hamm.

Neubeginn und Ausblick

Das Jahr 1993 muss im Rückblick als das des Neuanfangs gesehen werden. Auf Initiative der Jugendabteilung wurden die Gespräche mit der BAG wieder aufgenommen und zu einem erfreulichen Abschluss gebracht, in dem die Verbindlichkeiten des Vereins durch einen vergleich beseitigt werden konnten. Das Wiedererlangen der Gemeinnützigkeit im Vorjahr war hierzu die Grundlage und bedeutete den ersten Schritt, die Vergangenheit zu bewältigen.

Dem seit Anfang 1994 amtierenden Vorstand blieb jedoch noch eine Fülle weiterer Probleme zu lösen, damit wieder ein funktionsfähige Verein geschaffen werden konnte. Neben einer ordnungsgemäßen Satzung war vor allem das Mitgliederwesen aufzuarbeiten, zu dem keine Unterlagen mehr existierten. Ausgehend von den geschätzten 150 Mitgliedern, deren Beiträge- wenn überhaupt nur unvollständig eingezogen wurden, musste der Verein auf eine solide finanzielle Grundlage gestellt werden. Eine massive Erleichterung bedeutete, das der SC Eintracht seit 1993 wieder als geschäftsfähig galt und ein Konto führen ( ! ) durfte.

Innerhalb kurzer Zeit zeigten sich deutliche Fortschritte. Die Mitgliederzahl stieg; die Seniorenabteilung und Jugendbereich wurde mit weiteren Mannschaften ergänzt; die Alt Herren Abteilung nahm stetig zu. Nach der Übernahme der Sportanlage von der Stadt Hamm begann der Aufbau der Bandenwerbung.

Im Jahre 2005 betreut der SC Eintracht Hamm bei ca. 500 Mitgliedern neben den Alten Herren nun drei Seniorenmannschaften und ein Hobbyteam. Im Jugendbereich sind es insgesamt 14 Mannschaften von den Mini- Kickern bis zur A- Jugend. Hierbei zeigt sich, das die neue Zielsetzung des Vereins als " Stadtteilarbeit " von der Heessener Bevölkerung akzeptiert und unterstützt wird.

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